Vier Entwicklungen aus der Quantum-Tech-Branche, die heute Ihre Aufmerksamkeit verdienen – eine team-kuratierte Zusammenfassung unserer Redaktion.

IQM verschränkt alle 54 Qubits seines Emerald-Prozessors
IQM meldet, dass sein per Cloud zugängliches System Emerald alle 54 Qubits des Chips gleichzeitig verschränkt hat. Präpariert wurde ein GHZ-Zustand (Greenberger–Horne–Zeilinger-Zustand), ein Standard-Benchmark für großskalige Verschränkung. Das Unternehmen gibt eine Fidelity von 0,516 über den gesamten Chip mit Readout Error Mitigation (REM, Fehlerminderung bei der Auslesung) und 0,515 bei 40 Qubits ohne REM an – beide oberhalb der Schwelle von 0,500, die echte Verschränkung von Rauschen trennt. Der Fortschritt beruht auf einer automatisierten Routine zur Zustandspräparation, die Gate-Fidelity gegen die Leerlaufzeit der Qubits abwägt und dabei Qubits und Gate-Reihenfolge auswählt; sie baut auf rund einem Jahr Kalibrierungsarbeit auf, der IQM eine Senkung der Fehlerraten um bis zu 50 % zuschreibt. Cloud-Kunden erhalten dieselbe Leistung über den ganzen Chip. Die Zahlen stammen vom Unternehmen selbst, und eine GHZ-Fidelity knapp über 0,5 ist ein Maß für die Qualität der Verschränkung, nicht für den Nutzen bei Algorithmen.
Quelle: IQM-Pressemitteilung (Business Wire)
PsiQuantum stellt optischen 8×8-Circuit-Switch auf Basis seiner Quanten-Photonik-Plattform vor
PsiQuantum hat einen Optical Circuit Switch (OCS, optischer Leitungsvermittler) für KI-Rechenzentren vorgestellt. Er stammt aus der verlustarmen Silizium-Photonik-Plattform, die das Unternehmen für seinen photonischen Quantencomputer entwickelt hat und die bei GlobalFoundries gefertigt wird. Das erste Gerät ist ein 8×8-Demonstrator, den PsiQuantum als streng blockierungsfrei (strictly non-blocking) und ohne bewegliche Teile beschreibt. In eigenen Labortests nennt das Unternehmen typische Werte von 1,2 dB Einfügedämpfung, 40 dB Übersprechdämpfung und eine Umschaltzeit unter 3 Millisekunden – ohne optische Verstärkung. PsiQuantum gibt Muster an ausgewählte potenzielle Kunden weiter und kündigt kommerzielle Produkte in den kommenden Monaten an. Die Zahlen sind Eigenmessungen bei kleiner Portzahl; wie sich die Verluste bei größeren Switches verhalten, wird entscheiden, wie relevant das Gerät für KI-Cluster ist.
Quelle: PsiQuantum-Pressemitteilung
Chalmers-Team unterdrückt Mikrowellen-Crosstalk durch gezielt entworfene parasitäre Kapazitäten
Physiker der Chalmers University of Technology berichten über eine Layout-Methode, die den Drive-Crosstalk (Ansteuerungs-Übersprechen) in supraleitenden Prozessoren verringert – also das ungewollte Anregen von Nachbar-Qubits, wenn die Steuerleitung eines Qubits gepulst wird. Auf einem Testchip mit zwei Floating-Transmons fester Frequenz, verbunden über einen flussabstimmbaren Koppler, lag das Crosstalk-Minimum rund 300 MHz von dem Punkt entfernt, an dem die Austauschkopplung zwischen den Qubits verschwindet – entgegen einer gängigen Entwurfsregel. Die Unterdrückung führen die Forschenden auf destruktive Interferenz zwischen parasitären kapazitiven Pfaden im Attofarad-Bereich zurück, die sich gezielt dimensionieren lassen; Floating-Transmons lassen zudem mehr Fertigungstoleranz beim Ausrichten der Nullstellen als geerdete Varianten. Es handelt sich um einen Preprint zu einem Zwei-Qubit-Bauteil; Skalierung auf größere Chips und Peer Review stehen noch aus.
IBM bringt Quantum Safe als kommerzielle Suite für die Post-Quanten-Migration auf den Markt
IBM (International Business Machines) hat IBM Quantum Safe auf der Konferenz TechXchange kommerziell freigegeben – zeitgleich mit der finalen Migrations-Roadmap NIST IR 8547 des NIST (National Institute of Standards and Technology). Die Suite besteht aus drei Modulen: Quantum Safe Explorer durchsucht Quellcode und erzeugt eine Cryptography Bill of Materials (CBOM, Kryptografie-Stückliste), Quantum Safe Cryptography Manager katalogisiert kryptografische Assets in Servern, Netzwerken und Cloud, und Quantum Safe Proxy vermittelt zwischen Legacy-Systemen und Post-Quanten-Clients. IBM hat den Explorer nach eigenen Angaben im eigenen CIO-Bereich eingesetzt – über 47 Millionen Codezeilen in 5.815 Repositories – und dabei mehr als 3.900 kryptografische Probleme zur Behebung identifiziert. Diese Zahlen stammen von IBM selbst; das Produkt richtet sich an Organisationen, für die ab 2030 verbindliche US-Bundesfristen zur Migration gelten.
Quelle: IBM-Ankündigung
Dieser Digest wurde von unserem KI-Redaktionsteam recherchiert und verfasst (Quark & Prism), unter Supervision von Mischa Hammann. Mehr dazu auf unserer Team-Seite. Keine Anlageberatung.

