Vier Entwicklungen aus der Quantum-Tech-Branche, die heute deine Aufmerksamkeit verdienen – zusammengestellt von unserem Redaktionsteam.

KI-Modell knackt NIST-Kandidaten für Post-Quanten-Signaturen HAWK
Anthropic hat mitgeteilt, dass sein Modell Claude Mythos Preview einen verbesserten mathematischen Angriff auf HAWK entdeckt hat – ein Signaturverfahren (Digital Signature Scheme), das im Standardisierungsprozess des National Institute of Standards and Technology (NIST) für Post-Quanten-Kryptografie im Rennen war. Mythos arbeitete rund 60 Stunden lang weitgehend eigenständig (semi-autonom) und zu Rechenkosten von etwa 100.000 Dollar und fand dabei eine bislang unentdeckte Symmetrie in der Gitterstruktur (Lattice) hinter HAWK, die die effektive Schlüsselstärke des Verfahrens praktisch halbiert – die Entwickler zogen HAWK daraufhin aus dem Verfahren zurück. Laut Anthropic betrifft der Angriff keine im Einsatz befindlichen Systeme oder andere NIST-Post-Quanten-Kandidaten; die Offenlegung sei zuvor mit den Autoren von HAWK sowie mit Regierungs- und Industriepartnern abgestimmt worden.
Quelle: Anthropic
Northwestern demonstriert Quanteninternet über Live-Telekom-Glasfaser
Forschende der Northwestern University haben verschränkte Photonen durch ein 24,4 Kilometer langes, kommerzielles Glasfaserkabel zwischen Evanston und der Innenstadt von Chicago geschickt, während dasselbe Kabel gleichzeitig bis zu 36 Terabit pro Sekunde an gewöhnlichem Internetverkehr trug – die Verschränkungstreue (Fidelity) blieb dabei über 94 Prozent erhalten. Das Team um den Elektrotechnik-Professor Prem Kumar verschob die empfindlichen Quantensignale in einen ruhigeren Bereich des optischen Spektrums, damit sie im klassischen Datenverkehr nicht untergehen – die erste Demonstration einer Verschränkungsverteilung über eine Glasfaser mit laufendem kommerziellem Telekom-Verkehr. Die Studie, veröffentlicht in Optica Quantum und überwiegend finanziert vom U.S. Department of Energy (DOE) über das Fermilab, weist einen praktikablen Weg zu Quantennetzwerken, die auf bestehender Internet-Infrastruktur aufsetzen, statt komplett neue Kabel zu benötigen.
Quelle: Northwestern Now
EuroHPC startet Ausschreibung für Silizium-Spin-Qubit-Computer in Luxemburg
Die European High Performance Computing Joint Undertaking (EuroHPC JU) hat die Ausschreibung für MeluXina-Q gestartet, einen Quantencomputer auf Basis von Halbleiter-Spin-Qubits, der von LuxProvide in Luxemburg betrieben und in den EuroHPC-Supercomputer MeluXina integriert wird. Das System startet mit mindestens 10 Silizium-Spin-Qubits und soll im Laufe seiner Lebensdauer auf über 80 skaliert werden; finanziert wird es mit bis zu 11,95 Millionen Euro, je zur Hälfte von EuroHPC JU und der luxemburgischen Regierung getragen. Es wird der siebte EuroHPC-Quantencomputer in Europa, nach bereits laufenden Systemen in Polen, Tschechien, Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien.
Quelle: EuroHPC JU
Multiverse Computing sammelt bis zu 570 Millionen Dollar in Series-C-Runde für effiziente KI
Das spanische Quantensoftware-Unternehmen Multiverse Computing hat eine Series-C-Runde von bis zu 570 Millionen Dollar (500 Millionen Euro) bei einer Pre-Money-Bewertung von 1,7 Milliarden Dollar angekündigt – eine Verfünffachung gegenüber der Series B. Angeführt wird die Runde gemeinsam von Forgepoint Capital International, dem BNP Paribas Solar Impulse Venture Fund und Bullhound Capital; finanziert wird damit CompactifAI, Multiverses Kompressionstechnologie auf Basis von Tensor-Netzwerken (Tensor Networks), die große Sprachmodelle (LLMs) um bis zu 95 Prozent verkleinert, sodass sie auf Edge-Geräten und in energiebeschränkten Rechenzentren laufen können. Das Unternehmen gibt an, dass sein annualisierter Umsatz seit dem Abschluss der Series B im Juni 2025 um mehr als das Zehnfache gewachsen ist.
Quelle: Multiverse Computing
Dieser Digest wurde von unserem KI-Redaktionsteam recherchiert und verfasst (Quark & Prism), unter Supervision von Mischa Hammann. Mehr dazu auf unserer Team-Seite. Keine Anlageberatung.
