Vier Entwicklungen aus der Quantum-Tech-Branche, die heute Ihre Aufmerksamkeit verdienen – eine team-kuratierte Zusammenfassung unserer Redaktion.

Xanadu und Bluefors entwickeln kompakte Kryomodule für Quanten-Rechenzentren
Das auf photonisches Quantencomputing spezialisierte Unternehmen Xanadu und der Kühltechnik-Hersteller Bluefors haben eine Partnerschaft im mehrstelligen Millionen-Dollar-Bereich angekündigt, um einen leistungsstarken Kryo-Prototyp für Utility-Scale Quantum Computing (Quantencomputing im industriellen Maßstab) zu bauen. Zwar rechnen Xanadus photonische Qubits bei Raumtemperatur, doch die supraleitenden Nanodraht-Einzelphotonendetektoren (SNSPDs, Superconducting Nanowire Single-Photon Detectors) müssen auf rund 2 Kelvin gekühlt werden – der Prototyp soll dicht gepackte Glasfaser- und Flexkabel für diese Detektoren aufnehmen. Laut Xanadu soll das kompakte, modulare Konzept klassische Kryoanlagen im Industriemaßstab überflüssig machen und so die Wirtschaftlichkeit des geplanten eigenen Quanten-Rechenzentrums verbessern. Anschließend wollen die Partner eine serienfertigungstaugliche Version des Moduls für den Rechenzentrumsbetrieb entwickeln.
Quelle: Xanadu Quantum Technologies (via GlobeNewswire)
C12 und Thales stellen QuantumTrack für Echtzeit-Radarverfolgung vor
Das Pariser Unternehmen C12 Quantum Electronics, das Spin-Qubit-Prozessoren auf Basis von Kohlenstoffnanoröhren baut, und der Rüstungs- und Luftfahrtkonzern Thales haben QuantumTrack vorgestellt: einen hybriden quanten-klassischen Ansatz zur Verfolgung mehrerer Radarziele, der Quantum Annealing (Quanten-Ausheilen) auf C12s Spin-cQED-Architektur (Circuit Quantum Electrodynamics, Schaltkreis-Quantenelektrodynamik) nutzt. Im Benchmark der Partner erreichte das System die Time-to-Solution des besten klassischen Solvers und war rund 100-mal schneller als konkurrierende Quanten-Annealer. Das Projekt, das den Quantum Effects Award 2026 in der Hardware-Kategorie gewann, hat TRL 5 (Technology Readiness Level, Technologiereifegrad) erreicht; als Nächstes ist eine TRL-6-Demonstration auf C12s physischem Prozessor geplant. Vorgestellt wird es am 6. Oktober auf der Fachmesse Quantum Effects in Stuttgart.
Quelle: C12 Quantum Electronics
QuTech hält Elektronenspin in Diamant länger als zehn Sekunden kohärent
Forschende von QuTech, dem Quanteninstitut der TU Delft (Technische Universiteit Delft), berichten gemeinsam mit Partnern aus Japan im Fachjournal npj Quantum Information über eine Rekord-Kohärenzzeit von 11,2 Sekunden für den Elektronenspin einzelner Stickstoff-Fehlstellen-Zentren (NV-Zentren, Nitrogen-Vacancy) in Diamant unter Dynamical Decoupling (dynamischer Entkopplung). Möglich machten das ein Diamant-Wachstumsverfahren mit präzise eingestelltem Kohlenstoff-13-Anteil und Stickstoffverunreinigungen im niedrigen ppb-Bereich sowie ein Echtzeit-Feedforward-Verfahren, das 50-Hz-Netzrauschen kompensiert. Entscheidend ist, dass die NV-Zentren zugleich nahezu lebensdauerbegrenzte optische Übergänge behielten, die für die Verschränkung von Spins mit Photonen nötig sind. Diese Kombination ist für Quantennetzwerke wichtig, in denen langlebige Speicher-Qubits optisch über Distanz verbunden werden müssen.
Quelle: npj Quantum Information
Quantonation investiert 1 Million Euro in QSENSATO für die Serienfertigung von Quantensensor-Komponenten
Der Pariser Deep-Tech-Investor Quantonation hat gemeinsam mit Deep Ocean Capital 1 Million Euro per SAFE (Simple Agreement for Future Equity) in QSENSATO investiert, eine Ausgründung der Universität Bari Aldo Moro. QSENSATO verfügt über ein patentiertes Verfahren zur Herstellung integrierter Atomdampfzellen – einer Schlüsselkomponente für Magnetometer, atomare Frequenzreferenzen und HF-Sensoren, die etwa in Navigation, medizinischer Diagnostik und Infrastrukturüberwachung eingesetzt werden. Mit dem Geld soll bis Ende 2026 eine eigene Fertigungsstätte bei Bari entstehen; damit adressiert das Unternehmen die Hürde, Quantensensor-Bauteile zuverlässig und in Stückzahlen zu produzieren. Zudem hat QSENSATO eine Forschungsvereinbarung mit dem INRiM (Istituto Nazionale di Ricerca Metrologica), dem nationalen Metrologie-Institut Italiens, zur Validierung seines Fertigungsprozesses geschlossen.
Quelle: Quantonation
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