Quantum-Tech-Digest: Quobly und SiPearl prüfen europäische CPU-QPU-Kopplung, Quantum Source stellt Ein-Atom-Interconnect vor

Vier Entwicklungen aus der Quantum-Tech-Branche, die heute Ihre Aufmerksamkeit verdienen – eine team-kuratierte Zusammenfassung unserer Redaktion.

Illustratives KI-generiertes Bild
Bild: KI-generiert (Gemini Nano Banana 2)

Quobly und SiPearl wollen europäische CPUs mit Silizium-Spin-Qubit-Prozessoren koppeln

Der französische Silizium-Spin-Qubit-Entwickler Quobly und der europäische HPC-Prozessorentwickler (High-Performance Computing, Hochleistungsrechnen) SiPearl haben eine unverbindliche Absichtserklärung (Memorandum of Understanding, MoU) unterzeichnet, um die Integration ihrer Hardware auf Systemebene zu prüfen. In der ersten Phase soll eine Machbarkeitsstudie SiPearls Arm-basierte 80-Kern-CPU Rhea1 samt Referenzserver Seine mit Quoblys QPU-Steuerung und kryogener Elektronik verbinden – als Baustein von Quoblys Produktlinie Alloy. Spätere Phasen sollen hybride HPC-Quanten-Workloads optimieren und gemeinsame Architekturen für künftige Produktgenerationen ausloten. Quoblys Prozessoren entstehen auf der 300-mm-FD-SOI-Plattform von STMicroelectronics; das Unternehmen hat im Juni eine Series A über 115 Millionen Euro unter Führung von Bpifrance, STMicroelectronics und SEALSQ abgeschlossen und plant den ersten Cloud-Zugang zu seinen Systemen bis Ende 2026. Beide Firmen wollen sich zudem gemeinsam auf europäische Förderausschreibungen bewerben, etwa in den Quantenprogrammen des Chips JU (Chips Joint Undertaking, Gemeinsames Unternehmen für Chips der EU). Es handelt sich um eine Sondierung, nicht um ein fertiges Produkt.

Quelle: Pressemitteilung von Quobly

Quantum Source stellt QS-LINK vor: Ein einzelnes Atom als Zwischenspeicher für die Vernetzung von Quantenprozessoren

Der Photonik-Hardwareentwickler Quantum Source aus Tel Aviv hat technische Details zu QS-LINK veröffentlicht – einem Interconnect (Verbindungsschnittstelle), das ein einzelnes, in einer optischen Kavität gefangenes Rubidium-87-Atom als Quantum Memory (Quantenspeicher) zwischen getrennten Quantenprozessoren (QPUs) nutzt. Herkömmliche photonische Verbindungen benötigen Photonen beider Prozessoren gleichzeitig; bei einer Zustellwahrscheinlichkeit von etwa 1 % oder weniger pro Versuch klappt das nur rund einmal in 10.000 Anläufen. QS-LINK speichert dagegen die Verschränkung mit dem ersten Prozessor, bis auch der zweite erfolgreich ist – die Erfolgsrate skaliert dadurch linear statt quadratisch, und die Photonen müssen nicht mehr identisch sein. Laut den Modellrechnungen des Unternehmens wären für 10.000 verschränkte Paare pro Sekunde etwa 3,2 Millionen Versuche pro Sekunde nötig, gegenüber rund 190 Millionen bei linear-optischen Verfahren. Das System soll bei Raumtemperatur über Standard-Glasfaser laufen und Ionenfallen-, Neutralatom-, supraleitende und photonische Hardware verbinden können. Es handelt sich um modellierte Werte; eine End-to-End-Demonstration steht noch aus.

Quelle: arXiv-Preprint (Quantum Source)

IBM verlagert Fehlermitigation mit „Directed Execution“ auf den Client und bringt Qiskit zu Fortran, C++ und Julia

IBM hat für seinen Quanten-Cloud-Dienst ein Directed Execution Model (gesteuertes Ausführungsmodell) eingeführt, das auf einem neuen, hardwarenahen Executor-Primitive in qiskit-ibm-runtime 0.50.0 aufbaut. Die Error Mitigation (Fehlerabschwächung), die bislang als Blackbox auf IBMs Servern lief, findet nun auf Client-Seite statt: Forschende können Verfahren wie PEC (Probabilistic Error Cancellation), ZNE (Zero-Noise Extrapolation) und TREX einsehen, anpassen und kombinieren und auf derselben Basis auch Experimente zur Fehlerkorrektur aufbauen. Bestehender Code mit den Sampler- und Estimator-Primitives soll mit minimalen Änderungen weiterlaufen. In einem separaten Beitrag stellte IBM native Qiskit-Anbindungen für Fortran, C++ und Julia über die C-API des SDK vor, mit denen HPC-Programme Quantenschaltkreise direkt und ohne Python-Zwischenschicht ansprechen können. Diese Anbindungen befinden sich laut IBM noch in aktiver Entwicklung.

Quelle: IBM Quantum Blog

Von Pasqal geführte 50-Millionen-Euro-Pilotlinie Q-PLANET geht in die Umsetzung

Das Neutralatom-Unternehmen Pasqal meldet, dass die von ihm koordinierte Pilotlinie Q-PLANET drei Monate nach dem offiziellen Start in Brüssel in die operative Umsetzung übergegangen ist. Das Konsortium aus 28 Partnern in 11 europäischen Ländern verfügt über 50 Millionen Euro für drei Jahre, kofinanziert vom Chips JU sowie nationalen und regionalen Behörden. Entwickelt werden industrietaugliche Chip-Komponenten für Neutralatom-Technologien: Laser bei 461, 698, 795 und 1013 nm, Atomchips für Sensorik und Quantencomputing sowie mikrofabrizierte Dampfzellen für Atomuhren und Feldsensoren. Standardisierte Process und Assembly Design Kits (PDKs und ADKs, Entwurfsbaukästen für Fertigung und Montage) sollen den Weg vom Labor in die Fabrik ebnen. Pasqal selbst leitet die Entwicklung chipbasierter Laserquellen bei 1013 nm und tritt zugleich als Anwender der Dampfzellen und Laserquellen auf.

Quelle: Pressemitteilung von Pasqal

Dieser Digest wurde von unserem KI-Redaktionsteam recherchiert und verfasst (Quark & Prism), unter Supervision von Mischa Hammann. Mehr dazu auf unserer Team-Seite. Keine Anlageberatung.