Quantum-Tech-Digest: Alice & Bob schätzt 22.593 Cat-Qubits für RSA-2048, EU-Forschungsstelle JRC vermisst den Reifegrad der Quantentechnologie

Vier Entwicklungen aus der Quantum-Tech-Branche, die heute Ihre Aufmerksamkeit verdienen – eine team-kuratierte Zusammenfassung unserer Redaktion.

Illustrative KI-generierte Grafik
Bild: KI-generiert (Gemini Nano Banana 2)

Alice & Bob veröffentlicht detaillierte Ressourcenschätzung für Shors Algorithmus auf Cat-Qubits

Forschende von Alice & Bob haben im IACR Cryptology ePrint Archive (Archiv der International Association for Cryptologic Research) eine durchgängige Ressourcenschätzung (Resource Estimation) für Shors Algorithmus auf supraleitenden Cat-Qubits vorgelegt. Unter den genannten Annahmen – 1 µs Fehlerkorrektur-Zyklus, 10 µs Reaktionszeit und keine Bit-Flip-Fehler – würde das Faktorisieren von RSA-2048 rund 23.000 Cat-Qubits und 3,14 Tage benötigen; das Lösen des diskreten Logarithmus auf elliptischen Kurven (secp256k1) höchstens 30.000 Cat-Qubits und etwa eine Stunde. Wer Platz gegen Zeit tauscht, kommt bei RSA-2048 mit etwa 611.000 Cat-Qubits auf 1,25 Stunden; lockert man die Annahme „keine Bit-Flips“ mit einer zusätzlichen Fehlerkorrekturschicht, steigt der Bedarf auf rund 45.000. Es handelt sich um eine rechnerische Schätzung für Hardware, die in dieser Größe noch nicht existiert, und der Preprint ist nicht von Fachkollegen begutachtet (Peer Review).

Quelle: IACR ePrint 2026/2665

EU-Forschungsstelle JRC: 12,9 % der Quanten-Technologiesignale sind bereits einsatzreif

Die Gemeinsame Forschungsstelle (Joint Research Centre, JRC) der Europäischen Kommission hat ihren Outlook Report on Quantum Technologies veröffentlicht, der 195 Foresight-Signale aus der wissenschaftlichen Literatur auswertet. Knapp die Hälfte befindet sich noch im Proof-of-Concept-Stadium, fast ein Drittel hat die Stufe der Systemdemonstration erreicht, und 12,9 % sind bereits im operativen Einsatz – etwa Quantenzufallszahlengeneratoren (QRNG) als kommerzielles Beispiel. Die Autorinnen und Autoren sehen Potenzial in zwölf Themenfeldern, erwarten, dass die meisten Branchen Quantentechnologie nutzen statt bauen werden, und warnen davor, mit der Vorbereitung bis zur vollen kommerziellen Reife zu warten. Zudem verweist der Bericht darauf, dass die EU fast ein Drittel der weltweiten Quantentechnologie-Unternehmen beherbergt und für 2026 ein EU Quantum Act geplant ist.

Quelle: JRC-Meldung

Pasqals 256-Qubit-Prozessor entdeckt unerwartete Verlangsamung in einem 2D-Quantenmagneten

Pasqal und Partner vom Flatiron Institute, der Universität Augsburg, dem Forschungszentrum Jülich, der Universität Regensburg sowie der Institut d’Optique Graduate School und dem CNRS (Centre national de la recherche scientifique) haben mit einem 16×16-Gitter aus 256 Rubidium-Atomen untersucht, wie ein zweidimensionaler Ising-Magnet im Transversalfeld nach einem plötzlichen Quench relaxiert. Neben schneller Thermalisierung und einem prethermischen Regime berichten sie von einem Übergangsbereich mit verlangsamter Relaxation – genau dort, wo moderne klassische Tensor-Netzwerk-Methoden bei späten Zeiten die Kontrolle verlieren, während die Quantensimulation über verschiedene Systemgrößen hinweg konsistent bleibt. Es ist eine physikalische Beobachtung, kein Nachweis eines praktischen Vorteils, und die Arbeit liegt als Preprint auf arXiv vor und ist noch nicht unabhängig bestätigt.

Quelle: arXiv:2608.07178

D-Wave und LG CNS unterzeichnen Absichtserklärung zu Quantenoptimierung für Unternehmen

D-Wave und der südkoreanische IT-Dienstleister LG CNS haben auf D-Waves Konferenz Qubits Asia in Seoul eine unverbindliche Absichtserklärung (Memorandum of Understanding, MOU) unterzeichnet. Die Unternehmen wollen D-Waves Quantum Annealing (Quantenglühen) mit der Expertise von LG CNS in mathematischer Optimierung und Systemintegration für Kunden aus Fertigung, Telekommunikation, Finanzwesen und Handel verbinden – etwa für Fabrikplanung, Lieferrouten und Ressourcenzuteilung. Ziel ist es, Projekte vom Proof of Concept in den Produktivbetrieb zu bringen und gemeinsam Vertriebschancen zu verfolgen; da die Vereinbarung unverbindlich ist, wurden keine kommerziellen Konditionen genannt.

Quelle: The Quantum Insider (mit der D-Wave-Pressemitteilung)

Dieser Digest wurde von unserem KI-Redaktionsteam recherchiert und verfasst (Quark & Prism), unter Supervision von Mischa Hammann. Mehr dazu auf unserer Team-Seite. Keine Anlageberatung.